Interview: Beliebte Funktionen zur Unterrichtssteuerung mit der paed.ML® Linux

Im Gespräch mit Alexander Vötterle, Lehrer und Netzwerkbetreuer am Wildermuth-Gymnasium Tübingen


Im hektischen Alltag einer digitalen Unterrichtsstunde entscheiden nicht nur die Qualität und die didaktische Aufbereitung der Materialien über den Lernerfolg, sondern auch, wie sicher und fokussiert eine Klasse arbeiten kann. Ohne ein pädagogisches Netzwerk wie die paed.ML® wären viele Lehrkräfte permanent damit beschäftigt, Bildschirme im Blick zu behalten, „versehentliche“ Internetausflüge anzumahnen oder während einer Klassenarbeit zwischen den Reihen zu patrouillieren. Statt konzentriert zu erklären oder individuell zu unterstützen, müssten Lehrende einen Großteil ihrer Zeit in die Aufsicht und Behebung technischer Probleme stecken.

Gerade deshalb sind Unterrichtsfunktionen wie Internetsperren, Bildschirmübertragung oder ein gesicherter Modus für Klassenarbeiten wichtig. Sie schaffen Ruhe im Raum und geben Lehrkräften Sicherheit beim Unterrichten. Wie erleben Lehrkräfte diese Möglichkeiten im Schulalltag? Welche Funktionen empfinden sie als hilfreich?

Zum Thema Unterrichtssteuerung mit der paed.ML® sprachen wir mit Alexander Vötterle. Er ist Lehrer und Netzwerkberater am Wildermuth-Gymnasium in Tübingen. Dort unterrichtet er die Fächer Mathematik, Chemie und Informatik.

Aktuell besuchen etwa 1000 Schülerinnen und Schüler das Gymnasium. Es gibt zwei Computerräume und drei Laptop-Wägen. Außerdem stehen 200 schuleigene Windows-Geräte und 280 iPads zum Lernen zur Verfügung. Diese werden mit der schulischen IT-Lösung paed.ML® Linux des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg (LMZ) verwaltet. Für das Management mobiler Geräte setzt die Schule aktuell noch Jamf School ein.

Eine moderne Schul-IT sollte mehr leisten als nur Technik bereitstellen – sie sollte eine ergänzende Bereicherung für den Unterricht sein und Lehrkräfte entlasten. Im Interview berichtet der Lehrer Alexander Vötterle über moderne Möglichkeiten der Unterrichtssteuerung. Foto: Sascha Schmidt, LMZ

Wie wichtig ist für dich Unterrichtssteuerung?

Für mich ist Unterrichtssteuerung besonders wichtig, wenn ich mit meiner Klasse im Computerraum arbeite und zwischen zwei Unterrichtsphasen Signale setzen möchte. Die Kinder sind häufig sehr vertieft in ihre Aufgaben, gleichzeitig gibt es jedoch immer wieder Situationen, in denen ich etwas Wichtiges mit ihnen besprechen möchte. In solchen Momenten setze ich bewusst Steuerungstools ein, um eine neue Arbeitsphase einzuleiten. Über die paed.ML-Schulkonsole kann ich zum Beispiel alle Schüler-Desktops auf Schwarz setzen. Dadurch richten sich die Blicke der Kinder automatisch vom Bildschirm zu mir und ich erhalte die volle Aufmerksamkeit der Klasse.

Welche Rolle haben Kontroll- und Steuerungsfunktionen für dich, wenn die Aufmerksamkeit der Lernenden nachlässt und manche lieber heimlich surfen oder chatten? 

Kontrolle spielt bei mir kaum eine Rolle. Digitale Steuerungsfunktionen helfen bei Abläufen, sie ersetzen aber nicht meine pädagogische Arbeit. Wenn es in der Klasse zu turbulent zugeht oder einzelne den Unterricht stören, dann muss ich als Lehrkraft schon selbst aktiv werden.

Wie setzt du die paed.ML in deinem Unterricht konkret ein – kannst du eine typische Unterrichtssituation beschreiben?

Besonders gerne arbeite ich mit der paed.ML im Fach „Medien und Informatik“. Ein typischer Unterrichtsablauf sieht dabei so aus: Ich bereite die Materialien und Aufgaben vor und stelle sie meiner Klasse über das Schülertauschlaufwerk zur Verfügung. Nach der Anmeldung an den Geräten haben alle sofort Zugriff und können loslegen. Während dieser Arbeitsphase nutze ich verschiedene Steuerungsmöglichkeiten der paed.ML – die Bildschirmübertragung schätze ich besonders. Dabei geht es ausdrücklich nicht um eine „heimliche Beobachtung“ vom Lehrer-PC aus. Mit der Bildschirmübertragung bekomme ich einen Überblick und kann erkennen, wer Schwierigkeiten hat und Unterstützung braucht. Wenn die Arbeitsphase abgeschlossen ist, geht es ans Präsentieren. Auch das funktioniert mit der paed.ML unkompliziert über meinen Rechner und den Beamer – ganz ohne aufwändige Drahtlosgeschichten. 

Geben dir die Steuerungsfunktionen der paed.ML auch Ruhe und Sicherheit beim Unterrichten?

Ja, auf jeden Fall. Egal, ob ich mit Laptops im Klassenzimmer oder im Computerraum arbeite, ich kann immer sehen, was die Schülerinnen und Schüler im Moment machen. Das gibt mir schon eine gewisse Sicherheit. Wenn ich Schülerpräsentationen von meinem Rechner aus steuern kann, bedeutet das weniger Stress, weil die technischen Abläufe funktionieren. Die Internetsperre brauche ich eigentlich gar nicht so oft. Meine Schülerinnen und Schüler wissen, dass ich die Möglichkeit hätte, das Internet zu sperren. Das reicht meist aus, weniger Missbrauch zu betreiben.

Wie reagieren Schülerinnen und Schüler, wenn das Internet oder der Bildschirm plötzlich doch gesperrt wird?

Eine typische Reaktion ist, dass Schülerinnen und Schülern versuchen, eine aktivierte Sperrfunktion technisch „auszuhebeln“. Manche drücken dann ständig Strg + Alt + ENTF – was natürlich nichts bringt. Um solchen Situationen vorzubeugen, bin ich früh dazu übergegangen, die Steuerungs- und Sperrfunktionen in einer kurzen Einführung vorzustellen. Ich erkläre, wann und warum ich sie einsetze. Erfahrungsgemäß erwarten meine Schülerinnen und Schüler diese Begründungen auch und akzeptieren eine Sperrfunktion dann deutlich besser. 

Nutzt du die paed.ML Linux auch für digitale Klassenarbeiten? Welche Erfahrungen hast du damit gemacht?

Ich finde digitale Klassenarbeiten im Informatikunterricht oder im NWT-Unterricht interessant, etwa, wenn es darum geht, Programmieraufgaben zu lösen. Das funktioniert sehr gut, allerdings ist es wichtig, dass die Lehrkraft eine gewisse Erfahrung bzw. Routine mitbringt. Digitale Klassenarbeiten können für Lehrende und für Lernende zu einer Stresssituation werden, wenn etwas nicht funktioniert - da kann schnell Panik aufkommen. Deswegen empfehle ich meinem Kollegium immer, digitale Klassenarbeiten vorher auszuprobieren, um den Ablauf kennenzulernen und Erfahrungen zu sammeln.

Analoge Klassenarbeiten scheinen demnach immer noch in der Mehrzahl. Richtig?

Ja, das ist richtig. Bei uns hat sich die digitale Klassenarbeit an der Schule noch nicht durchgesetzt. Die meisten Kolleginnen und Kollegen setzen auf Klassenarbeiten mit Stift und Papier. Hier fehlt vermutlich noch etwas Mut, Neues auszuprobieren. 

Die paed.ML Linux 8.0 unterstützt Veyon Master. Welche Vorteile bringt Veyon für Lehrkräfte im Alltag?

Veyon Master ist ein integrativer Bestandteil der paed.ML Linux und erweitert die paed.ML-Schulkonsole um zusätzliche Funktionen zur Unterrichtssteuerung. Das Programm ist schnell, einfach zu bedienen und wird bei uns in der Schule häufig eingesetzt. Mit Veyon Master kann ich mir zum Beispiel Schüler-Bildschirme anzeigen lassen und diese per Doppelklick fernsteuern. Außerdem kann ich gezielt Programme starten und vorgeben, mit welcher Software gearbeitet werden soll. Besonders bei den jüngeren Schülerinnen und Schülern ist das sehr hilfreich.

Welche Funktionen wünschst du dir zusätzlich – und wo siehst du Potenzial für Weiterentwicklungen?

Ich fände es praktisch, wenn Schülerinnen und Schüler ihr Passwort auch von zuhause ändern könnten. Bisher übernehmen wir Lehrkräfte die Benutzerverwaltung und vergeben bei Bedarf neue Passwörter. Mit einem Initialpasswort könnten die Kinder dieses zuhause gemeinsam mit ihren Eltern selbst ändern, was den Alltag erleichtern und die Eigenverantwortung fördern würde. 

Verrate uns zum Schluss: Was sind deine Lieblingsfunktionen aus Admin- und aus Lehrersicht?

Aus Adminsicht ist meine aktuelle Lieblingsfunktion tatsächlich der Veyon Master. Auf einem dedizierten Admin-Rechner kann ich damit per Fernsteuerung Dinge ausprobieren oder Admin-Tätigkeiten ausführen. Das spart enorm viel Laufarbeit an unserer riesigen Schule. Aus Lehrersicht mag ich die einfachste Funktion am liebsten: Schüler-Bildschirme schwarz schalten (lacht).

Und welche Funktion mögen die Schülerinnen und Schüler sehr gerne?

Nextcloud. Wenn sie mit den Aufgaben in der Schule nicht fertig werden, verweise ich darauf. Zuhause können sie dann einfach über Nextcloud an ihrer Datei weiterarbeiten. Das kommt gut an.

Lieber Alexander, herzlichen Dank für das Gespräch.